(Schlepp-) Leinen aus Fettleder im Test
Endlich Frühling, endlich die ersten Sonnenstrahlen, endlich wieder lange Spaziergänge mit dem Hund genießen, ohne sich dick einpacken zu müssen… Die Frühlingszeit bringt aber auch die Brut- und Setzzeit vieler wild lebender Tierarten mit sich, die wir Hundehalter unbedingt respektieren sollten.
Je nach Bundesland und gesetzlichen Bestimmungen ist in dieser Zeit (etwa vom 01.04. bis 15.07.) die Schleppleine für viele Hundehalter die Alltagsleine auf Wegen in Wald, Feld und Wiese.
PRODUKTINFORMATION
- Hier kaufen
- Name: Fettleder Schleppleine
- Farbe: braun
- Länge 5m, Breite 10 mm; weitere Längen und Breiten erhältlich
- Mögliche Extras: Handschlaufe, Messingkarabiner
- Rubrik: Training/Zubehör
- Preise: 5m x 10 mm: 39,90 €
PRODUKTINFO/-VERSPRECHEN:
Leinen aus Fettleder sollen der Mercedes unter den Schleppleinen sein. Sehr geschmeidig, sollen sie angenehm in der Hand liegen und auch beim Rutschen durch die Hände keine Verletzungen verursachen. Die hier von mir getestete Schleppleine habe ich vor mittlerweile 5 Jahren erstanden. Im Folgenden handelt es sich nicht um eine konkrete Produktempfehlung, sonder eher um eine generelle Materialempfehlung.
Vorab:
Schleppleinen sind ein wichtiges Hundezubehör, das Sie und Ihren Hund ein Hundeleben lang begleiten kann. Sei es der junge oder gerade erst übernommene Hund, der zu Trainingszwecken an der Schleppleine läuft oder der ältere Hund, der abgesichert werden soll, ohne seine Bewegungsfreiheit zu verlieren, weil er beispielsweise nicht mehr so gut sieht oder hört. Sei es zu bestimmten jahreszeitlichen Begebenheiten wie der Brut- und Setzzeit, um Silvester/Neujahr herum, wenn Gewitter aufziehen usw. Auch krankheitsbedingt kann es zeitweise nötig sein, dass ein Hund an der Schleppleine läuft und natürlich dient letztlich die lange Leine als Hilfsmittel bei Hunden, die sich wegen eines nicht zuverlässig funktionierenden Rückrufs oder wegen Jagd-, Angst- oder Aggressionsproblemen im Training befinden. Die Investition in eine hochwertige und langlebige Schleppleine lohnt sich also immer für den verantwortungsbewussten Hundehalter.
Ich meine:
Schleppleinen werden mittlerweile aus einer ganzen Reihe verschiedenster Materialien gefertigt. Vom High-Tech-Material Biothane über Seil, zu Schlauchleinen, Gurtleinen oder gummierten Leinen. Leinen aus Fettleder sind hier der Klassiker, der bereits seit Jahrzehnten verwendet wird und das meiner Meinung nach auch aus gutem Grund. Fettlederleinen sind aus robustem Glattleder gefertigt, das in mehreren Arbeitsschritten gewalkt und anschließend mit einer fett- oder wachshaltigen Schicht vorgefettet wird. Daraus resultiert auch die
Haltbarkeit und Geschmeidigkeit von Fettlederleinen. Der Karabiner, der aus unterschiedlichen Materialien sein kann, wird meistens in die Leine eingeflochten. Von all den Leinenmaterialien, die ich bereits in Händen hielt, ist Fettleder sicher eines der griffigsten und angenehmsten. Es ist weich und geschmeidig und selbst wenn einem die Leine einmal ein Stück durch die Hände rutscht, kommt es nicht zu schmerzhaften Verbrennungen, wie das bei vielen anderen Materialien der Fall ist.
Eine Fettlederleine verknotet sich auch nicht ganz so schnell, wie es beispielsweise bei Textilleinen, besonders Schlauch- und Seilleinen vorkommt. Im Gegensatz zu diesen saugt sich eine Fettlederleine auch nicht mit Wasser oder Schlamm voll und wird somit nicht schwerer.
Bei all diesen Vorteilen hat Fettleder auch einen großen Nachteil, man muss es regelmäßig pflegen. Ich nehme dazu ein feuchtes Tuch und reinige die Leine, danach fette ich sie mit etwas Lederfett wieder frisch ein. Das Pflegefett bitte sparsam verwenden, sonst bleibt das Fettleder zu schmierig und kann Ihnen im Ernstfall durch die Hände flutschen. Nach einer Nacht, in der das Pflegefett einziehen kann, ist Ihre Leine dann wieder einsatzbereit. Nach mehr als fünf Jahren ist unsere Fettlederleine noch in erstaunlich gutem Zustand. Sie ist immer noch geschmeidig und weist keinen einzigen Riss auf. Leider ist sie mittlerweile bei Regen doch recht flutschig geworden, ob das nun am Alter liegt oder wegen eines Pflegefehlers, sei dahingestellt. Ebenfalls ist der anfangs angenehme Lederduft mittlerweile einem leichten Müffeln gewichen, der auch trotz regelmäßiger Reinigung und Pflege nicht weicht und den ich auch von anderen, älteren Fettlederleinenkenne.

Kommt bei Ihnen eine Schleppleine zum Einsatz, befestigen Sie diese NIE an einem Halsband! Durch den großen Kreisdurchmesser einer Schleppleine kann der Hund mit großer Geschwindigkeit in das Ende der Schleppleine laufen (aus „nur“ drei Metern Länge können 6 Meter Durchmesser werden, aus 5 Metern werden 10 Meter Durchmesser usw.).
Passiert dies an einem Halsband, ist das nicht nur schmerzhaft, es kann auch schwere bis irreparable Schäden an Gewebe, Drüsengewebe, Luftröhre, Speiseröhre und Wirbelsäule nach sich ziehen. Auch ein Genickbruch ist möglich. Außerdem steigt das Risiko eines eventuellen, späteren Bandscheibenvorfalls an.
Stellen Sie sich vor, Sie dürfen als Versuchsperson eine Vollbremsung Ihres Lieblingsrennfahrers bei „nur“ 30km/h mitmachen. Schnallen Sie sich lieber mit dem über die Brust verlaufenden Sicherheitsgurt an oder mit einem Halsgurt?
Doch auch wenn Sie ein Brustgeschirr bei Ihrem Hund verwenden, achten Sie darauf, dass es gut sitzt. Überprüfen Sie, ob es weich gepolstert ist und ob sich eine Handbreit Platz zwischen Achsel und Bauchgurt findet. Passen Sie das Geschirr Ihrem Hund gut an und beobachten Sie ihn beim Laufen. Verrutscht es mit dem Karabiner und dieser hängt weit an der Seite des Hundes herab, sitzt das Geschirr nicht richtig und ist wahrscheinlich zu groß, versuchen Sie den Bauchgurt dann etwas enger zu stellen. Optimalerweise bringt die am Geschirr befestigte Schleppleine das Brustgeschirr nicht oder nur minimal zum Verrutschen. Bewährt haben sich hier für Merlin und mich stabile Geschirre aus Gurtband und Neopren mit breit gepolsterter Brust und durchgehend gepolstertem Bauchgurt. Auch
Geschirre aus dem Mantrailingbereich können hier interessant sein. Haben Sie einen sehr kräftigen, sehr impulsiven oder verhältnismäßig schweren Hund, dann lassen Sie sich unbedingt vom Hundetrainer Ihres Vertrauens beraten, ob eine Schleppleine eingesetzt werden kann, wie lang diese sein sollte und ob weitere Hilfsmittel wie Handschuhe, Bauchgurte, Ruckdämpfer oder ähnliches für Sie hilfreich sein könnten.
Generell kann es nie schaden, sich zu Beginn den richtigen und gefahrlosen Gebrauch einer Schleppleine von einem professionellen Trainer zeigen zu lassen. Dabei können Sie lernen, wie man eine Schleppleine hält, wie man sie aufwickelt und was man im Umgang mit einer Schleppleine beachten sollte.
Bitte unterschätzen Sie nicht das Gefahrenpotential!
Unser Fazit:
Trotz der Notwendigkeit Fettleder regelmäßig zu pflegen und der beschriebenen „Altersschwächen“, gehört Fettleder zu meinen Lieblingsleinenmaterialien. Es ist geschmeidig, führt nicht zu Verletzungen, verknotet schwer und saugt sich nicht mit Wasser voll.
Biothaneleinen verwende ich besonders gern bei schlechtem Wetter und bei Eiseskälte, Fettleder nehme ich hingegen sehr gern bei trockenem Wetter oder im Sommer bei hohen Temperaturen. Gemeinsam sind diese beiden Materialien für mich ein unschlagbares Team und eine absolute Kaufempfehlung.